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In der Flüchtlingshilfe Roxel reden wir viel mit Händen und Füßen, entfalten unsere pantomimischen Fähigkeiten und lachen gemeinsam über Missverständnisse. Dies alles geht nur bei einer Kommunikation von Angesicht zu Angesicht. Insofern stellt die aktuelle Kontaktsperre für unsere Aktivitäten ein echtes Problem dar. Seit dem 17. März sollen Ehrenamtliche die Flüchtlingsheime nicht mehr betreten. Damit fällt das sonst wöchentlich stattfindende Kaffeetrinken in der Unterkunft in der Havixbecker Straße weg, und auch das Internationale Café kann im Moment natürlich nicht stattfinden. So gibt es keinerlei Gelegenheiten, sich im größeren Rahmen auszutauschen.
Allerdings sind im Lauf der Zeit zwischen Alt-Roxelern und Neu-Zugezogenen viele echte Freundschaften entstanden, die jetzt durch gemeinsame Spaziergänge zu zweit, durch Gespräche an der Haustür oder, wo immer es sprachlich möglich ist, durch WhatsApp-Kontakte aufrecht erhalten werden.
Was im Moment tatsächlich schwierig ist, ist die Unterstützung beim Kontakt mit den verschiedenen Ämtern, mit den Schulen oder Ärzten. Für die Bewohner der Flüchtlingsheime ist eine soziale Betreuung zumindest in eingeschränkter Form gesichert, da die Sozialarbeiterinnen einmal wöchentlich eine Notfallsprechstunde anbieten und ansonsten auch telefonisch erreichbar sind. Von Vorteil ist, dass viele Fristen für die Abgabe von Unterlagen oder bezüglich des Aufenthaltsstatus ausgesetzt sind.

Unser Verein hat versucht, sich bei allen Geflüchteten, zu denen wir in Roxel Kontakt haben, durch einen österlich geprägten Frühlingsgruß in Erinnerung zu bringen. Wir haben circa 40 mit Schokolade, Gebackenem und Kleinig-keiten für die Kinder gefüllte Tüten verteilt und durften dafür auch sehr früh morgens die Flüchtlingsheime betreten. Umgekehrt haben einige kurdische Frauen von sich aus angefangen, Gesichtsmasken zu nähen und dies dann zunehmend im großen Stil betrieben, so- dass Masken dem Verein für Wohnungslose und gegen Spende an die Roxeler Grundschule gegeben werden konnten und auch privat verteilt wurden.Wir werden häufig gefragt, ob die Enge für die Familien im Heim oder auch in den nicht sehr großen Wohnungen, die vom Jobcenter finanziert werden, nicht belastend ist, jetzt wo die Kinder den ganzen Tag zu Hause sind. Gerade im Blick auf die Heime stimmt dies sicherlich teilweise, andererseits sind es viele der Geflüchteten aus ihrer Heimat gewohnt, mit vielen Personen auf engem Raum zusammenzuleben und gehen auch sehr entspannt mit plötzlich sich ändernden gesellschaftlichen Regeln um. Viele Menschen, die nach Deutschland geflohen sind, haben sehr viel Schlimmeres erlebt als die Corona-Krise. Nichtsdestotrotz sind auch wir Mitglieder der Flüchtlingshilfe besorgt, dass sich in manchen Familien ohnehin vorhandene Konflikte zuspitzen könnten. Außerdem ist zu befürchten, dass bereits erworbene Deutschkenntnisse durch das Aussetzen der Kurse und die geschlossenen Schulen verloren gehen könnten.Wir sind sehr gespannt, wie sich die Flüchtlingsarbeit im Zuge zunehmender Kontaktmöglichkeiten entwickeln wird. Wir freuen uns alle darauf, einander wieder nahe kommen zu dürfen.

Jessica Kattan für die Flüchtlingshilfe Roxel