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Liebe Gemeinde,

erinnern Sie sich noch an Ihr erstes eigenes Zimmer? Wissen Sie noch, welch ein Ereignis die erste eigene, kleine Wohnung war? Die Sehnsucht nach den eigenen vier Wänden fängt schon in der Kindheit an.
Sicher haben auch Sie damals Sandburgen gebaut oder Höhlen, Zelte, Lager im Wald oder geheimnisvolle Verstecke auf dem Dachboden. Menschen brauchen solche Orte, wo man sich mal verkriechen kann, einen ganz privaten Rückzugsbereich. Doch die eigenen vier Wände machen noch kein Zuhause. Dazu gehören Bilder, Blumen, eine warme Decke, liebgewordene Möbel mit ihren eigenen Geschichten. Und es gehören Erinnerungen dazu, die sich mit den einzelnen Räumen verbinden.
Für uns gehören zu den Häusern, die wir in unserem Leben „bewohnen“, nun auch die Kirchen, die wir gerne Gotteshäuser nennen. Vielleicht erinnert man sich nicht mehr an die Kirche, in der man getauft wurde, weil man für das Erinnern zu klein war. Wahrscheinlich hat man noch Erinnerungen an den Ort der Konfirmation - gewiss hoffentlich an die Kirche, in der man getraut wurde.
Kirchen sind für uns somit Häuser, wo wir Höhe- und Wendepunkte unseres Lebens gefeiert und manchmal auch Tiefpunkte miteinander ausgehalten haben. Somit nehmen sie im Empfinden vieler Menschen einen großen Raum ein - und das oft ganz unabhängig davon, ob sie selber diese Orte betreten und „nutzen“ oder nur als kulturelle Wegmarken an ihnen vorbeilaufen. Ich merke das natürlich dort besonders stark, wo Kirchen geschlossen und aufgegeben werden, wie aktuell in Roxel: Nicht nur Gemeindeglieder äußern ihren Schmerz und ihre Traurigkeit, oft sind es auch Menschen aus der Nachbarschaft und dem Ort oder Ortsteil.
Gewiss: Häuser bestimmen unseren Lebensweg. Jedoch meint das Wort „Haus“ im biblischen Sinne noch weitaus mehr als vier Wände mit einem Dach darauf. Mit dem biblischen Begriff „Haus“ sind in erster Linie die Menschen gemeint, die dort zusammen leben. Eine Familie, ein Freundeskreis, eine Gebetsgemeinschaft. Auf jeden Fall Menschen, die füreinander da sind, die einander wertschätzen, mit denen man sich unterhalten kann. Menschen, mit denen man Lebenszeit verbringt. Menschen, die einen etwas „angehen“.
Wir tun in diesen Tagen gut daran, uns diese biblische Dimension des Wortes „Haus“ vor Augen zu führen, wenn es um die Aufgabe oder eine Umgestaltung kirchlicher Gebäude geht.
Kirchen und Gemeinderäume sind Orte, an denen Menschen zusammenkommen, miteinander beten, singen, feiern, leben. Sie sind Orte, an denen wir Zuflucht finden, Stärkung erfahren und getröstet werden - und immer sind es Orte, an denen Gott zu Hause ist.
Doch Gebäude allein sind niemals eine „bleibende Statt“. Wir müssen vielmehr Acht geben, dass wir unser Herz nicht an Steine und Mörtel, nicht nur an das Vergangene hängen.
Wir sollten vielmehr unsere Gebäude als den verabredeten Ort begreifen, an dem Christenmenschen zusammenkommen – und heute mehr denn je ist es wichtig und nötig, manchmal auch einen neuen Ort zu verabreden. Entscheidend ist dabei eigentlich nur das:
Gott lädt uns ein, und er ist nicht nur in einer Kirche, in einem Gemeindehaus zu finden.

Ulf Schlien (Superintendent)

Das Glück wohnt dort,
wo ich bei mir selbst zu Hause bin,
wo ich anderen ein Zuhause gebe und
wo ich mich von Gott geborgen weiß für Zeit und Ewigkeit.
Lassen wir uns also einladen und geben wir einander ein Zuhause, Wohnung und Heimat.