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Dank

Schriftzug: "Danke unserem engagierten Team!"

Vor einem halben Jahr wäre ich nicht im Traum auf die Idee gekommen, dafür dankbar zu sein, frei und unbeschwert und ohne Maske einkaufen gehen zu können oder ohne Ansteckungsangst mich bewegen zu kön-nen. Wir haben unseren Alltag als selbstverständlich genommen. In all der Unruhe und Anstrengung, die durch die Coronakrise in der Gesell-schaft und im privaten Leben entstanden ist, angesichts all der neuen Sorgen, um die wirtschaftliche Existenz oder die Gesundheit von sich selbst und jenen, die uns am Herzen liegen, entsteht auf der Rückseite dieser Empfindungen vielleicht auch ein neues Dankbarkeitsbewusst-sein: für die eigene Gesundheit, dafür, dass bestimmte Einschränkun-gen zur Zeit wieder aufgehoben sind. Nach Wochen ziemlicher Ab-schottung und Isolation fällt das, was wir vorher für selbstverständlich hielten, wieder positiv auf: Begegnungen mit Freunden, Unterneh-mungen, Schwimmbad- oder Restaurantbesuche, wenn auch mit Einschränkungen.

Zum Erntedanktag, liebe Gemeinde, lohnt es sich innezuhalten und mit einem Gefühl der Dankbarkeit auf die Welt und das eigene Leben zu blicken. Natürlich für die Ernte. Aber auch das Lebenswerte und Schöne, das wir erfahren, mitten in den Zeiten der Ungewissheit mit dankbarem Blick anzuerkennen.

Ich blicke dankbar zurück auf die Zeit, seit dem ich in der Gemeinde bin. Bin dankbar für die freundliche Aufnahme in Roxel, Albachten und Bösensell, für viele gute Gespräche und wertvolle Begegnungen. Die Frage, wie denn das Gemeindeleben wieder in seine bisherigen Bahnen zurückkehren kann und ob nicht vielleicht auch ganz andere Formen gemeindlichen Lebens gefunden werden müssen, bleibt zunächst noch offen, vieles ist ungewiss in dieser Zeit.

Aber voller Dankbarkeit blicke ich auf die vielen hoch engagierten und motivierten Menschen, die sich in unserer Gemeinde für unsere Gemeinde einsetzen. Die das Gemeindeleben durch die Zeit der Vakanz getragen haben, die Weichen für die Zukunft gestellt haben, Menschen geholfen und unterstützt haben, in Gottesdiensten mitgewirkt haben und durch viele pfiffige Ideen Gemeinde erkennbar werden ließen, auch in der Zeit, als ganz Vieles nicht möglich war. Diese Dankbarkeit kommt exemplarisch zum Ausdruck im Erntedankgottesdienst. Am 4. Oktober in der „Blauen Stunde“ werden wir mit großer Dankbarkeit Andrea Deventer-Wohlhage und Volker Neveling aus dem Presbyteramt verabschieden und noch einmal den beiden Pfarrern Johannes Krause-Isermann und Dr. Christoph Nooke unseren Dank sagen. In diesem Gottesdienst verabschieden wir auch voller Dank-barkeit für seine Jugendarbeit unseren Gemeindediakon Dirk Reuken, dessen Projektstelle Mitte Oktober ausläuft.

Zwei Zeilen aus dem Lied „Danke für diesen guten Morgen“ gingen mir durch den Kopf. Zum einen: „Danke, dass ich all meine Sorgen auf dich werfen mag.“ Das, was uns in dieser Zeit persönlich belastet und bekümmert, können wir Gott sozusagen „vor die Füße knallen“. Wenn wir uns mit dem, was uns belastet und bedrückt, an ihn wenden, ergibt sich schon eine innere Wendung, wir treten heraus aus dem inneren Hamsterrad.

Unter Coronabedingungen scheint alles verstärkt zu Tage zu treten, die liebevollen Zuwendungen zu den Nächsten genauso wie egoistisches Verhalten, Blockwartmentalitäten auf der einen Seite, echte Sorgen um die Mitmenschen auf der anderen Seite aber auch.

Vielleicht gilt dies auch für die Dankbarkeit, dass uns bewusster wird, wofür wir dankbar sein können. Die innere Haltung der Dankbarkeit bedeutet, das Gute und Schöne in unserem Leben eben nicht für selbstverständlich zu halten. Die Haltung der Dankbarkeit bedeutet Gott ins Spiel zu bringen, als denjenigen, dem wir unseren Dank (wie auch die Klagen und Sorgen) sagen können.

„Ach Herr, ich will dir danken, dass ich danken kann!“

Ihr Pfarrer Andreas Hirschberg