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Das Leiden in der Welt - ein zeitgemäßes Thema?

Foto zeigt ein Kreuz

Leid ist in der Welt. Wir alle nehmen Anteil am Leiden als Leser, Hörer und Zuschauer der täglichen Berichte vom Leiden in Kriegs-, Krisen- und Hungergebieten. Es ist Teil jeglichen Daseins, hervorgerufen durch Krankheit, Verletzung und Verlust oder eben als Folge von Sünde, wenn wir an das Leiden der Kriegsopfer und der Hungernden denken. Der eine erlebt es von außen und lindert es beispielsweise mit einer Spende für Obdachlose und nimmt damit seine Verantwortung als Mitmensch wahr. Der andere erlebt es geradezu obszön quälend, wenn er gegen eine unheilbare, schmerzhafte Krankheit kämpft.

Fraglos ist Leiden in diesem Sinne sehr aktuell und gegenwärtig. Doch "angesagt" ist es beileibe nicht; die Jahrtausende alte Geschichte der Medizin ist ebenso eine Geschichte des Angehens gegen das Leid, wie der lange politische Kampf gegen soziale Ungerechtigkeiten. Wir träumen von einer Welt ohne Leid, wir suchen Leid zu mindern, womöglich im besten Sinne des Wortes zu negieren. Und das nicht erst als aufgeklärte Menschen der Neuzeit, sondern schon seit Menschengedenken.

Und doch bleiben wir bei unserem Bestreben begrenzt, weil wir das Leiden nicht restlos aus der Welt schaffen können. Und wir werden zuweilen brutal auf unser Schicksal zurückgeworfen, Leiden ertragen zu müssen. Im Leiden erfahren auch Christen, dass Glaube keine Glücksgarantie bietet. Mit dieser Erkenntnis bleiben wir angehalten zu Bescheidenheit und zur Einsicht in unsere Begrenztheit. Doch sollte diese Erkenntnis für uns Christen nicht das letzte Wort sein. Christus selbst können wir zum Vorbild nehmen, der ebenfalls an seinem drohenden Leiden verzweifelte und darum bat, dieser Kelch möge an ihm vorübergehen. Getragen im Glauben haben wir die Chance, auch dem Schweren einen Sinn abzugewinnen und trotz allem, Vertrauen zu entwickeln auf eine Wirksamkeit des Wortes in dieser Welt.

Dabei bleibt vielleicht die Frage unbeantwortet, wie sich Gottes Fügung und die menschliche Freiheit in Einklang bringen lassen. Leiden lindern, wo es zu lindern ist, und zugleich zu erkennen, dass sich Ertrag trotzdem viel weniger in Geleistetem als in gemehrtem Glauben bemisst - das bleibt ein Gedanke, der in den Tagen der Passion zeitgemäß ist.
(Volker Neveling)