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Zwischen den Jahren

„Zwischen den Jahren“, so nennen wir bekanntlich die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr. Diese Bezeichnung geht ins 14. Jahrhundert zurück, in dem der Jahreswechsel noch auf unterschiedliche Daten gelegt wurde; auf den 25. Dezember als dem Geburtstag Jesu oder den 6. Januar als seinem Tauftag oder orientiert am weltlichen römischen Kalender auf den 1. Januar, der seit 153 n. Chr. im Römischen Reich Jahresanfang war.
Und die Kirche hat nach wie vor mit ihrem „Kirchenjahr“ eine eigene Zählung der Jahreszeiten. Das alte Kirchenjahr endet mit dem Ewigkeitssonntag und das neue beginnt mit dem 1. Sonntag im Advent. Die Woche dazwischen könnte man also ebenso als „Zeit zwischen den Jahren“ bezeichnen. Auch hier lassen wir vom Alten los, holen mit dem Gedenken an die Toten nochmals die Erinnerung an Vergangenes und Verlorenes zurück und intensivieren sie mit unseren Besuchen der Gräber unserer Verstor-benen und mit dem Gedenken an den Denkmälern des Krieges.
Und darauf folgt - nicht zufällig - der 1. Sonntag im Advent. Dieser will den Blick an den Horizont heben, über die Niedrigkeit und Anstößigkeit des Todes hinaus. Dadurch wird die Trauer um liebe Menschen keineswegs geschmälert. Aber so wie die äußere Dunkelheit dieser Jahreszeit durch die vielen Lichter gerade in der Advents- und Weihnachtszeit erhellt wird, so leuchtet das in Bethlehem in die Welt gekommene Licht auf. Auch in Schmerzen und Not, in familiären Zerreißproben und beruflichem Stress spendet es Licht und Wärme.
„Zwischen den Jahren“ ist in dieser Verschränkung von Tod und Loslassen mit dem Aufbrechen und Hoffen förmlich ein Mikro-kosmos unseres Lebens.
Möge es unser Bewusstsein schärfen für die letzten Dinge, die den Bogen von der Welt der Vergänglichkeit zur Welt der Vollen-dung sowie vom Warten zur Erfüllung schlagen. Davon sprechen Kirchenlieder, wie etwa „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ von Philipp Nicolai oder das Gedicht „Lied im Advent“ von Matthias Claudius. Die Aussagen dieses Chorals und des Gedichts bilden gleichsam eine Klammer zwischen dem Ewigkeitssonntag und dem 1. Advent.Dass Sie diese Zeit bewusst in dieser Tiefe erleben wünscht Ihnen von Herzen

Ihr Volker Neveling