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Wie politisch darf die Kirche sein?

„Wer soll eigentlich noch freiwillig in eine Christmette gehen, wenn er am Ende der Predigt denkt, er hat einen Abend bei den Jusos oder der Grünen Jugend verbracht?“ Das schrieb der Journalist Ulf Poschhardt zur Weihnachtszeit 2017.
Und nicht nur zu Weihnachten stellt sich die Frage, ob sich die Kirche überhaupt um Politik kümmern oder sich doch nur auf ihr „Kerngeschäft“ der Glaubensdinge „besinnen“ sollte. Aber was ist dieser Kern, der christlichen Glauben ausmacht? Ungeachtet unserer gemeinsamen Überzeugung, dass sich letztlich jegliches Handeln am biblischen Wort messen sollte, gibt es auf diese Frage so viele Antworten wie es Christenmenschen gibt. Aber doch merken wir im gesellschaftlichen Handeln und politischen Diskurs sehr schnell, dass sich aus der biblischen Botschaft selbst bestimmte Positionen ergeben.

Die Frage nach dem Umgang mit Geflüchteten kommt einem sofort in den Sinn, und damit sind wir bereits wieder bei der oben angesprochenen Weihnachtsbotschaft. Aber müssen wir nicht ebenso andere Grundthemen unserer Gesellschaft als elemen-tare Themen unserer Kirche ansehen, müssen wir nicht sogar politisches Handeln unserer Kirche fordern?

  • Die Teilhabe von Kindern aus wirtschaftlich schwachen Verhältnissen an Bildung, Kultur und Sport.
  • Der Einsatz für Menschen, die Gewalt erdulden müssen, weil sie unheilvollen familiären Verhältnissen nicht entgehen können.
  • Das Bewahren einer bewohnbaren Welt für unsere Kinder und Enkel.

Ich finde, Kirche muss sich einmischen in die politischen Dinge. Ich finde, Kirche darf dabei die Grenzen der political correctness überschreiten und sich durchaus Positionen zueigen machen, die parteipolitisch besetzt sind. Dabei geht es keineswegs um Wahlkampf zugunsten bestimmter Parteien, sondern es sollte erkennbar bleiben, was sich aus der biblischen Perspektive ergibt. Und … es muss der Respekt vor anderen Positionen bewahrt bleiben. Toleranz bei gleichzeitiger Entschiedenheit ist die Spannung, die wir als Christen aushalten müssen (wie das auch Gläubige anderer Religionen aushalten sollten und müssen).
Denn biblische Wahrheit ist nicht vor 2000 Jahren eingefroren worden und schwebt nun abstrakt über den weltlichen Dingen. Biblische Wahrheit muss gelebt und damit täglich neu erfunden werden. Nur durch uns Handelnde hat Gott Arme und Beine, Münder und Ohren, liebende Blicke und helfende Hände in dieser Welt.

Volker Neveling