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Luther reloaded

Nach dem Jubiläumsjahr zur Reformation ist es wieder ruhiger geworden um Martin Luther. Und doch lohnt es sich, immer wieder auf die Grundlagen der reformatorischen Erneuerung zu schauen. So hat schon im Jahr 2014 die Evangelische Kirche in Deutschland eine Handreichung herausgegeben, die gerade nach Abebben des Luther-Hypes Nachdenkenswertes liefert.

Das reformatorische Gedankengut kommt in den Säulen der "Soli" zum Tragen als

solus Christus - allein Christus.

In der Begegnung mit ihm machten Menschen die Erfahrung der heilsamen Nähe Gottes. Sie mussten erleben, wie dieser Mensch Jesus, in dessen Person Gott in besonderer Weise gegenwärtig ist, einen schmachvollen Tod erleidet. Begegnungen mit dem Auferstandenen lassen erfahren: Er lebt! Er war tot, wurde aber von Gott auferweckt. Seine Botschaft war kein Irrtum.
In Jesus Christus wird die Beziehung zwischen Gott und Mensch neu konstituiert. Die Reformatoren beschreiben dies dadurch, dass sie sagen, dem Sünder würde in der Rechtfertigung die Gerechtigkeit Christi zugerechnet. Die Reformatoren kritisieren die Anrufung anderer Mittler zu Gott.

sola gratia - allein aus Gnade

Der Mensch ist nicht in der Lage, Gottes Zuwendung und Vergebung zu bewirken. Er kann das ewige Leben bei Gott nicht erzwingen. Alles ist ihm von Gott geschenkt, allein um des Verdienstes Christi willen - aus lauter Gnade!

solo verbo - allein im Wort

Der Mensch ist angewiesen auf das zugesagte Wort; daraus leitet sich die zentrale Rolle der Predigt. Dazu dienen aber auch Glaubenskurse.

solo scriptura - allein auf Grund der Schrift

Damit jeder Christenmensch selbst in der Bibel lesen und persönlich angesprochen werden kann, haben die Reformatoren die biblischen Texte in ihre Muttersprache übersetzt. Martin Luther war nicht der Erste, aber seine Übersetzung in ihrer plastischen Ausdrucksweise war von besonderer Wirkmächtigkeit. Die reformatorische Lehre von er sola scriptura wendet sich gegen Entwicklungen, bei denen Menschen meinen, direkte Eingebungen vom Heiligen Geist zu haben, ohne Bindung an das biblische Wort.

sola fide - allein durch den Glauben

Glauben heißt JA sagen dazu, dass man selbst nichts dazu beitragen kann, dass Gott gnädig ist. Glauben heißt JA zur Liebe Gottes sagen. Durch Glauben allein meint eben: nicht durch Werke. Der Mensch muss sich Gottes Gnade gefalle lassen. Er muss aushalten, dass er selbst nichts zu seiner Rechtfertigung beitragen kann, allein durch Glauben, ohne Werke. Und doch ist dieser Glaube immer auch ein tätiger Glaube.

Machen Sie doch mal die bevorstehende Advents- und Weihnachtszeit zur Zeit der Soli.

Eine gesegnete Zeit wünscht ihnen 
Ihr Volker Neveling

Die Stahlradierung "Luther im Kreise seiner Familie" von Carl A. Schwerdgeburth (1785-1878) zeigt die singende und musizierende Familie Luther unterm Weihnachtsbaum. Dass ihr Weihnachtsfest im Jahr 1536 tatsächlich so stattfand, darf allerdings bezweifelt werden. Wahrscheinlich hat der Maler den Weihnachtsbrauch seiner Zeit einfach in das 16. Jahrhundert transportiert. Zu Luthers Zeit gab es noch keinen Weihnachtsbaum und auch kein ausgeprägtes familiäres Weihnachtsfest. Letzteres entwickelte sich in Deutschland erst rund 300 Jahre später.