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Konfirmandenarbeit heute ...

Fotos zeigt Konfirmandinnen und Konfirmanden im Wald.

... zielt auf Lebensgestaltung und Handlungsorientierung für die Konfirmandinnen und Konfirmanden. Sie sollen in eine explizit christliche Lebens- und Frömmigkeitspraxis hinein genommen, sowie ermutigt und gestärkt werden, ihr Christsein konkret werden zu lassen. Zu einer Lebens- und Frömmigkeitspraxis gehören aber neben der Feier von Gottesdiensten und Andachten, die Feier der Taufe und des Abendmahls, neben das Gebet und das gemeinsame Singen vor allem der Umgang mit Scheitern, Schuld und Vergebung. Zur Entwicklung einer christlichen Existenz ist auch die Förderung der Kommunikationsfähigkeit, das Schlichten von Streit, das Teilen von Verantwortung, Zeit und Besitz, die Zivilcourage und der Einsatz für Benachteiligte erforderlich.

Bei Praktika und Freizeiten sowie in der Gruppenarbeit können Konfirmandinnen und Konfirmanden für sie neue Formen des Zusammenlebens kennen und schätzen lernen, Toleranz und gegenseitige Achtung üben und ihre Rolle in der Gemeinschaft finden, wahrnehmen, reflektieren und ggf. verändern.

Die Vielfalt der organisatorischen Formen in der Konfirmandenarbeit ist dabei unüberschaubar und von vielen Faktoren abhängig. Traditionen vor Ort, die landeskirchlichen Richtlinien und pädagogische Trends beeinflussen die Formen der Konfirmandenarbeit ebenso wie die zeitlichen und finanziellen Ressourcen der Gemeinde, sowie die Zahl und Zusammensetzung der Konfirmandinnen und Konfirmanden (und das sind nur einige wenige der wichtigen Faktoren!). Das Ergebnis können regelmäßige 60 Wochenminuten am Mittwochnachmittag sein, aber auch 3 Wochen KonfiCamp am Strand der Adria - und (fast) alles Denkbare dazwischen.

Foto zeigt Konfirmandinnen und Konfirmanden im Wald.

In unserer Gemeinde haben wir ein Konzept, das darauf fußt, dass wir nur eine Pfarrstelle, aber immer zwei zeitlich parallel verlaufende Jahrgänge haben, dass wir nur den Dienstagnachmittag von den Schulen verlässlich zu Verfügung gestellt bekommen, aber auf alle Fälle auch dem handlungsorientierten Bildungsauftrag der Konfirmandenarbeit gerecht werden wollen, um die wichtigsten Eckdaten einmal zu benennen.

Wir haben in unserer Gemeinde daher entschieden, den Unterricht in zwei Phasen aufzuteilen. Die erste Phase ist eine Blockphase in der die Großgruppe - d.h. alle Konfirmandinnen und Konfirmanden des Jahrgangs aus der ganzen Gemeinde - an unterschiedlichen Blocksamstagen von 9 Uhr bis 14 Uhr projektorientiert und handlungsorientiert miteinander arbeitet, lernt, Erfahrungen sammelt, erzählt und weitergibt. Daran schließt sich die zweite Phase an, in der die Großgruppe in zwei Teilgruppen aufgeteilt wird, die dann im Wechsel sich in Roxel bzw. Albachten dienstags von 16 Uhr bis 18.30 Uhr treffen. So haben wir in den Gruppenstunden auch ausreichend Zeit tatsächlich handlungsorientiert, kreativ und erfahrungsbezogen miteinander zu arbeiten. Dazu kommen noch ein soziales Praktikum, Arbeits- und Hilfseinsätze in der Gemeinde, Exkursionen und auch eine Wochenendfreizeit über drei Tage oder ein großes Konfi-Camp mit den anderen Konfirmandinnen und Konfirmanden der gesamten Region.

Aber auch inhaltlich hat sich die Konfirmandenarbeit deutlich weiterentwickelt. Damit die Konfirmandinnen und Konfirmanden die Relevanz des christlichen Glaubens immer wieder für ihr Leben neu entdecken, müssen sie nicht einfach Tradition lernen, sondern Tradierung. Tradierung lernen sie, wenn sie sich als Akteure der Bildung ihrer eigenen Religiosität ausprobieren können. Konfirmandenarbeit heute realisiert Subjektorientierung (d.h. dass die /der Konfirmand/in als handelndes Subjekt ins Zentrum der Pädagogik gerückt wird) als ein "Theologisieren mit Jugendlichen". Das erfordert eine veränderte Rolle der Unterrichtenden. Ich gehe selbstverständlich davon aus, dass Konfirmandinnen und Konfirmanden religiöse Erfahrungen, Glaubensüberzeugungen und -fragen mitbringen, dass sie eine ganz eigene Geschichte mit der Wirklichkeit Gottes haben, ob sie es selber wissen und spüren, oder auch nicht.

Aufgabe der Konfirmandenarbeit ist es, die Jugendlichen über ihre Fragen und Überzeugungen miteinander und mit der biblischen Tradition und heutigen Ausdrucksformen des christlichen Glaubens ins Gespräch zu bringen.

 

 

Foto zeigt Konfirmandinnen und Konfirmanden im Wald.

Das Ziel der Konfirmandenarbeit ist die Unterstützung der Fähigkeit der Konfirmandinnen und Konfirmanden, ihre religiösen Fragen, Antworten und Vorstellungen zu artikulieren, sich mit anderen darüber auszutauschen, neue Fragen zu entdecken und Lust zu gewinnen, daran in Zukunft weiter zu arbeiten.

Dabei kommt jedem Menschen eine unantastbare Würde zu, die - unabhängig von seinen Leistungen und Fähigkeiten - in seiner Gottebenbildlichkeit begründet ist. Deshalb schätzen wir in der Konfirmandenarbeit heute die Heterogenität der Lerngruppe als Chance. Konfirmandenarbeit heute muss daher inklusiv geschehen und auf die Lern- und Ausdrucksfähigkeit aller am Lernprozess Beteiligten achten und für Bildungsgerechtigkeit sorgen.

Konfirmandenarbeit heute ist eine Lernen, das Inhalte beziehungsorientiert und Beziehungen inhaltsorientiert gestaltet.

Pfarrer Stephan Draheim