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Alles eine Frage der Priorität ...

Foto zeigt viele Muscheln im Sand

Muscheln, Menschen und Gesehen-Werden ...

"Guck mal Papa, ich habe eine ganz tolle Muschel gefunden! Die ist bestimmt ganz selten!"
Vor mir steht mein jüngster Sohn und hält mir eine Muschel hin, die er ganz fasziniert betrachtet. Und ich muss mich ehrlich anstrengen, seine Begeisterung zumindest ein bisschen widerzuspiegeln. Wir stehen nämlich gerade in Süd-Holland an der Nordseeküste am Strand, um uns herum ist alles voll mit Muscheln. Zahllose Muscheln in allen Farben, Größen und Güten liegen uns quasi zu Fußen, und ich brauche mich bloß zu bücken, um unterschiedlichste von ihnen aufzuheben. Aber mein Sohn schaut eben nur diese eine ganz fasziniert an ... Und dann noch eine und noch eine ... Und jede dieser Muscheln wird einzeln gewürdigt ... fast so, als ob es all die zahllosen anderen Muscheln um uns herum, die uns zu Füßen liegen, gar nicht gäbe. 

Ich weiß nicht, ob Ihnen dieser Gedanke auch schon einmal durch den Kopf gezuckt ist ... Ich habe mich aber schon öfter gefragt, wie es möglich ist, dass Gott alle 7,595 Milliarden Menschen, die es zur Zeit auf unserem schönen blauen Planeten gibt, kennen und dann auch noch lieben kann. Manchmal stoße ich dabei mit meiner Vorstellungskraft so ungebremst an meine Grenzen, dass mir doch auch wieder Zweifel kommen, ob Gott tatsächlich um mich weiß. Dann muss ich mir ins Gedächtnis rufen: Gott ist eben doch ganz anders, viel mehr als ich mir das vorstellen kann und jedes meiner Gottesbilder kann immer nur einen kleinen Schimmer dessen "einfangen", was und wer Gott wirklich ist.
Aber seit dem Urlaub jetzt im Sommer in Holland, seit mein Sohn mit so viel Aufmerksamkeit und Achtsamkeit die jeweils einzelne Muschel in seiner Hand betrachtet hat, obwohl zahllose weitere Muscheln uns zu Füßen lagen, habe ich wieder ein Bild mehr gewonnen dafür, wie Gott mich sieht: Mit ganz viel Liebe, Aufmerksamkeit und Achtsamkeit - und zwar genau mich. Und dich ... und dich ... und dich ...

Ich wünsche Euch allen immer wieder dieses Gefühl, diese Erfahrung, des Gesehen-Werdens.

Ihr Pastor Stephan Draheim